Chemnitz — die Hauptstadt des Postmodernismus

Für den Titel „Hauptstadt des Modernismus“ passt wohl kaum eine andere deutsche Stadt besser als Chemnitz. Die Stadt, deren Entwicklung auf die Epoche des industriellen Wachstums fällt und die auch heutzutage ein ansehnliches ökonomisches und wissenschaftliches Zentrum ist, stellt gleichzeitig eine echte Enzyklopädie des Modernismus auf dem Gebiet der Architektur und Kunst im Ganzen dar.

In den Jahren des Zweiten Weltkriegs war das historische Zentrum von Chemnitz praktisch völlig zerstört. Nach dem Krieg war der Beschluss gefasst, die Stadt nicht als ein einheitlicher architektonischer Komplex wiederherzustellen, was die Leitung der DDR jedoch nicht gestört hatte, Chemnitz in Karl-Marx-Stadt umzubenennen. Im Stadtzentrum von Chemnitz erhebt sich auch bis auf unsere Tage ein gigantisches — mit dem Gewicht von 40 Tonnen und der Höhe von sieben Metern — Denkmal dem berühmten Philosophen und Ökonom, und das ist wohl das Einzige, was an die Epoche des entwickelten Sozialismus in der Stadt noch erinnert. Im städtischen Haushalt wurde diese Sehenswürdigkeit in 1 Euro geschätzt: Vielleicht eben deswegen guckt der Autor von „Kapital“ skeptisch auf die Welt. Nach der Deutschlands Wiedervereinigung wurde das Chemnitzer Stadtzentrum von bekanntesten Architekten Helmut Jahn. Christof Ingenhofen und Hans Kohlhoff neu konzipiert. Das zentrale Prinzip des neuen Chemnitz heißt „nachhaltige Moderne“, kontinuierliche Bewegung, Entwicklung und Innovation. Die Architektur der städtischen Fußgängerzone stellt eine gelungene Kombination von Altem und Neuem dar. Die malerischste Aussicht auf Chemnitz und seinen Marktplatz öffnet sich vom Turm des Alten Rathauses aus. Seit 1488 wird der Turm von einem Menschen bewohnt, der die Funktionen eines Wächters und Schreibers der städtischen Chroniken erfüllt. Auch heute empfängt ein würdevoller älterer Herr in mittelalterlicher Tracht die Gäste und begleitet sie auf der Reise durch die Chemnitzer Geschichte. Siegertsches Haus mit seiner Barockfassade, reichlich ausgeschmückte überdachte Markthalle, modernes städtisches Schwimmbad, Handelszentren, Restaurants und Kaffees, Kultur- und Freizeiteinrichtungen – das Stadtzentrum in Chemnitz hat viele Gesichter und bildet einen harmonischen Kontrast zu modernen Bürohäusern, die es umsäumen. Chemnitz ist eine Stadt vom internationalen Niveau, für eine gute Lösung der Stadtbebauung wurde sie zur Trägerin der DIFA-Auszeichnung.

Von den Erfolgen der städtischen Wirtschaft zeugen nicht nur zahlreiche Industriegebäude sondern auch Wohnviertel aus der Gründerzeit, Villen im Stil Moderne und viele geschäftliche und private Bauten aus der Epoche des Bauhauses. Das Stadtviertel Kaßberg in Chemnitz ist einer der größten und schönsten Stadtbezirke Europas, die im Gründerstil bebaut wurden. Neben dem historischen Zentrum von Chemnitz ist für die Gäste der Stadt ihr Kulturprogramm nach wie vor verlockend: Museen und Galerien, Theaterstücke, Konzerte in Konzertsaal der Stadthalle sowie Festivals und andere Kulturveranstaltungen, die hier regelmäßig stattfinden. Weit über die Regionsgrenzen hinaus sind Chemnitzer Kabarett an der Markthalle und Sachsenmeier Kabarett bekannt. Die Kunstsammlung des Gunzenhauser Museums, deren Mittelpunkt die Kunst des klassischen Modernismus bildet, wird nicht nur von Besuchern sondern auch von Sachverständigen hoch geschätzt.

Beachtenswert ist das in 1928-30-er Jahren für die städtische Sparkasse gebaute Museumsgebäude selbst. Das ist ein geprägtes Muster der Stilistik der neuen Sachlichkeit: Vorhanden sind deutliche Aufteilung des Gebäudes, Einfachheit und Fehlen der dekorativen Elemente. Eine interessante Sehenswürdigkeit von Chemnitz ist das Kulturhaus „DAStietz“, das im Gebäude des ehemaligen Handelszentrums eingerichtet wurde. Heute sind in umgebauten Sälen Museum für Naturkunde, Bibliothek und die Neue Sächsische Galerie der modernen Kunst untergebracht. Und in ein Paar Schritten vom Kulturhaus sind zahlreiche Restaurants, Kaffees und Klubs eröffnet, welche unterschiedliche interessante Varianten der Freizeitverbringung rund um die Uhr anbieten. Ein Besuch in Chemnitz macht in jedem Sinne Spaß. Und während Sie am Marx-Denkmal stehen, erinnern Sie sich daran, dass seiner Meinung nach das Dasein das Bewusstsein bestimmt. Jedenfalls ist es in Chemnitz eben so.

Antlitz der Stadt: Karl-Marx-Denkmal

Beim Anblick auf das Denkmal kriegt man einen Eindruck, dass Karl Marx mit einem Anflug des Befremdens auf das neue Leben schaut. Das ind der Stadt sprudelt, die von 1953 bis 1991 seinen Namen trug. Das beeindruckende Denkmal des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel wurde 1071 feierlich enthüllt. Am gigantischen Kopf aus grauem Granit verliefen zur DDR-Zeit zahlreiche Demonstrationen und offizielle Veranstaltungen. Dieses Denkmal ist die zweitgrößte frei schwebende Porträt-Büste, aber die Palme des Sieges bleibt der ägyptischen Sphinx erhalten.

Hohe Kunst: Gunzenhauser Museum

Im Dezember 2007 wurde in Chemnitz das Gunzenhauser Museum eröffnet, das ein Bestandteil der Vereinigung „Kunstsammlungen der Stadt Chemnitz“ ist.

Eine reiche private Sammlung wurde dem breiten Publikum zugänglich. Im Museum ist die Sammlung von Kunstwerken zur Schau gestellt, die mal im Privatbesitz des Münchener Sammlers Gunzenhauser war, der in vielen Jahren rund 2.500 Arbeiten von 270 Malern gesammelt hatte. Diese Sammlung beinhaltet ca. 300 Werke von Otto Dix und die zweitgrößte in Deutschland Sammlung der Arbeiten von bekannten Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff aus Chemnitz, des einen der Gründer der Künstlervereinigung „Brücke“.

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