Braunschweig

Die ziemlich große und alte sächsische Stadt Braunschweig liegt zwischen den Städten Hannover und Magdeburg im Bundesland Niedersachsen, in seinem südlichen Teil. Durch den Krieg stark beschädigt, hat diese Stadt einen beträchtlichen Teil ihrer ursprünglichen Schönheit des Mittelalters und der späteren Renaissance doch verwart. Historisch gesehen, ist diese Stadt mit dem Ruhm einiger stolzen Namen umschweift. Heinrich der Löwe, der mächtige Herrscher von Bayern und Sachsen, und seine Gemahlin, die Schwester des Königs Richard des Löwenherzens, waren gebildete Monarchen und machten die Stadt zu einem wichtigen Kulturzentrum des Mittelalters. Später wurde in Braunschweig der große Mathematiker der 18. – 19. Jahrhunderte Gauß geboren. Und letztlich ist mit Braunschweig die Legende von Eulenspiegel eng verbunden – nicht durch das Buch von Charles de Coster sondern in der Realität des 14. Jahrhunderts.

In der Nacht am 15. Oktober 1944 stand Braunschweig in Flammen von tausend Bränden, und es ist ein Wunder, dass wenigstens der Dom unbeschädigt blieb.

Wie kann man Braunschweig erreichen

Braunschweig liegt auf direktem Bahnwege Berlin – Frankfurt, sodass es leicht ist, die Stadt mit einem Zug zu erreichen. Außerdem verlaufen an Braunschweig zwei wichtige Autobahnen, unter anderem die Autobahn Berlin – Hannover – Dortmund.

Ein bisschen Geschichte

Braunschweig wurde im Frühmittelalter an der Furt über den Fluss Oker gegründet und nach dem Namen seines Gründers – des Grafen – genannt. Die ersten urkundlichen Erwähnungen der Stadt Braunschweig stammen aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Der berühmteste hiesige Herrscher Heinrich der Löwe hat im 12. Jahrhundert für die Stadt viel getan und eben dank ihm fällt auf diese Zeit die Erweiterung und das Aufblühen von Braunschweig. Auf der Stelle einer ehemaligen Kirche wurde der Dom, neue Viertel mit eigenen Kathedralen und Rathäusern gebaut. Nach dem Namen des Monarchen bekam die Stadt ihr symbolisches Tier – den Löwen, der am Wappen abgebildet wurde und als Standbild die städtischen Straßen schmückte.

Till Eulenspiegel, die Gestalt der niederländischen mittelalterlichen Folklore, existierte möglicherweise gar nicht. Wenn er aber doch auf dieser Welt gelebt hätte, so sollte er Anfang des 14. Jahrhunderts bei Braunschweig geboren worden sein. Später wurden alle Sagen und Witze über diesen scharfsinnigen, schlauen Witzbold in einer Chronik zusammengefasst und bis zum 16. Jahrhundert gewann sie die Volksliebe und Bekanntheit – ungefähr wie etwa moderne web-comics.

Die Lage am Fluss ermöglichte eine rasche Handelsentwicklung und im 13. Jahrhundert wurde Braunschweig zum Hansemitglied. Es sei erwähnt, dass die Stadt dauernd Unruhen erschütterten: Ihre Bevölkerung war immer sozial aktiv und revolutionär gesinnt. Im Großen und Ganzen störte das die Stadtentwicklung nicht, genauso wie die kurzweilige Besatzung durch die Napoleons Armee und die Übergabe unter die Herrschaft von Preußen. Aber während des Zweiten Weltkriegs wurde in der Stadt die Garnison der Division stationiert, deren Soldaten nach Polen, Belgien, Frankreich und Russland beordert wurden, und durch den Luftangriff im Jahr 1944 wurde die Altstadt mit dem im ganzen Land größten Ensemble von Halbfachwerkhäusern samt den meisten Kirchen der Erde gleich gemacht. In der Nacht am 15. Oktober 1944 loderte Braunschweig mit tausend Bränden, und es ist ein Wunder, dass wenigstens der Dom unbeschädigt blieb.

Freizeit, Führungen und Sehenswürdigkeiten in Braunschweig

Der Hauptplatz von Braunschweig ist Burgplatz. Am Burgplatz steht eine Gebäudegruppe von historischer und kultureller Bedeutung: Der Dom St. Blasius, Burg Dankwarderode, neogotisches Rathaus (gebaut 1893 – 1900) und einige erhalten gebliebene Fachwerkhäuser. Darunter ist das Gebäude der Gilde, das heute die Handwerkskammer einnimmt.

3 Sachen, die in Braunschweig zu machen sind:

  1. Den bronzenen Löwen an der Burg (Kopie) und danach in der Burg (Original) sehen – die erste aus Bronze gegossene Statue nördlich von Alpen.
  2. Durch den 1840 gegründeten wunderschönen Botanischen Garten spazieren gehen.
  3. Das örtliche ziemlich eigenartige Bier „Mamme“, noch „Braunschweiger Mutti“ genannt, kosten. Das ist ein Malzbier, das seit

dem 14. Jahrhundert bekannt ist und das eine Zeit lang Exportprodukt war, unter anderem nach Indien und sogar in die Karibik.

 

Die allererste Sehenswürdigkeit der Stadt ist der ehemalige Dom, heutige die Lutherische Kirche. Das ist ein strenges gotisches Bauwerk mit Gewölben und zwei symmetrischen Türmen. In 14. – 15. Jahrhunderten wurde der Dom wesentlich umgebaut, und ab dem 17. Jahrhundert wurden in seiner Krypta die Vertreter der regierenden Dynastie bestattet. Hier kann man eine Vielzahl von Särgen mit sterblichen Überresten der Personen mit kaiserlichem Blut aus dem Hause von Wolfen besichtigen. Unter ihnen ist der Sarg des Heinrichs des Löwen und seiner Frau Mathilde, ihre Särge sind Kunstwerke und historische Denkmäler an sich.

Eine der modernen erkennbaren Sehenswürdigkeiten von Braunschweig ist die Skulptur von zwei Ringkämpfern des örtlichen Bildhauers Jürgen Weber, des Professors der Braunschweiger Universität. Die Statue mit Brunnen ist in der Fußgängerzone der Stadt zu sehen. Sie wurde Anfang 70-er Jahre geschaffen und schon im Projektierungsstadium schien nicht nach dem jedermanns Geschmack zu werden. Der Bildhauer rächte sich an Missgönnern, während er am Trikot des siegenden Kämpfers seine eigenen Initiale und am Trikot des verlierenden die Namen der Kritiker anbrachte.

Auf dem Platz vor dem Dom wurde der bronzene Löwe aufgestellt, das Symbol der Stadt und der Macht der Monarchen. Diese Skulptur mit dem Gewicht von fast 9 Zentner gilt heute als die älteste aus größeren gegossenen (Straßen-) Statuen des Mittelalters und dazu noch als erste Löwenskulptur solcher Größe seit altrömischen Zeiten. Es ist nicht bekannt, wer der wirkliche Autor dieser Skulptur war, man nimmt aber an, dass die Skizze Heinrich der Löwe eigenhändig anfertigte. Derzeitig steht auf dem Platz eine Kopie, einige Kopien wurden in anderen Städten der Welt unter anderem auch in London platziert.

Burg Dankwarderode ist eine typische sächsische Niederungsburg (unterscheidet sich von architektonischen Stilen der Burgen auf Hügeln). Sie wurde im Zeitraum vom 1160 bis 1175 gebaut und hatte anfangs genügende Befestigungen. Mit der Erweiterung der Stadt um die Burg herum verlor sie schnell jegliche Verteidigungsbedeutung. Im 15. Jahrhundert wurde die Residenz nach in der Nähe liegende Wolfenbüttel umgesiedelt und im 17. Jahrhundert wurde ein Teil der Burg in einen Renaissancepalast umgebaut, und ein Teil verwahrlost. Im 20. Jahrhundert waren hier Baracken untergebracht und die derzeitige Konstruktion stammt aus dem Ende des 19. Jahrhundert, als sie von Ludwig Winter auf Grund der archäologischen Aufzeichnungen wiederaufgebaut wurde. Heute ist die Burg ein Teil des Museums von Herzog Anton Ulrich und im Erdgeschoss ist eine Dauerexposition mit mittelalterlichen Gegenständen untergebracht.

Braunschweiger Wurst gibt es wirklich, sie ist keine „sowjetische“ Erfindung. Es sei bemerkt, dass der Geschmack gar nicht „sowjetisch“ ist. Das ist eine Art der Leberwurst im echten Darm, sie ist wie in der Regel geräuchert. Am häufigsten tut man in die Braunschweiger Wurst die Eingeweide vom Schwein, das Endprodukt ist butterweich und lässt sich aufs Brot streichen oder man bereitet daraus Sandwichs zu — selbstverständlich mit Senf.

Das Altstadtrathaus wurde im gotischen Stil zwischen den 13. und 15. Jahrhunderten am Saum des Altstadtmarktes errichtet. Daneben befindet sich die Kirche St. Martini aus rötlichem Backstein (1195) und einige alte Häuser einschließlich des Gebäudes der Manufakturzunft des 13. Jahrhunderts, Haus Stechinelli (1690) und Brunnen aus dem Jahr 1408. Bemerkenswert ist auch die Gegend um den Kohlmarkt mit der auserlesen verzierten Markthalle und dem alten (1869) Brunnen. Die schlanke im 13. Jahrhundert errichtete Kirche St. Katarinen mit spitzen hohen Türmen befindet sich am Hagenmarkt, davor erhebt sich der Heinrichs des Löwen Brunnen des 19. Jahrhunderts.

Als symbolische Erinnerung an altes Braunschweig vor dem Feuersturm 1944 gilt das im 13. Jahrhundert bebaute Viertel St. Magnus. Hier sind gepflasterte Straßen und lustige braun-weiße Fachwerkhäuser mit kleinen Kaffees und Läden erhalten geblieben. All das ist um das Hauptbauwerk dieses Viertes – die Kirche St. Magnus aus dem 13. Jahrhundert, die schlicht und streng wirkt, gruppiert. Einen auffallenden Kontrast bildet die moderne Hauptsehenswürdigkeit – das Happy RIZZI Haus. Das ist ein Bürogebäude, das nach dem Projekt von James Rizzi, dem amerikanischen Architekt aus Brooklyn, dem Anhänger der Pop-Art, gebaut wurde. Das Gebäude wurde für die Messe „Expo-2000“ fertig gestellt und sieht wie eine Comics-Seite aus.

Viertel St. Magnus

Unter anderen alten Kirchen der Stadt ist die romanisch-gotische Andreaskirche bemerkenswert, die im Zeitraum vom 13. bis ins 16. Jahrhundert gebaut wurde und später Farbglasfenster der Arbeit von Charles Crodel bekam. Neben der Kirche steht das älteste freistehende Bibliotheksgebäude in Deutschland. Vom Interesse wäre auch die im 13. Jahrhundert gebaute gotische Kirche St. Aegidius mit dem Kloster, wo jetzt das Landesmuseum untergebracht ist.

Und am Stadtrand liegt das ehemalige Zisterzinserkloster Riddagshausen. Das Klostergelände mit der Orangerie und Blumenbeeten wurde zum nationalen Naturschutzgebiet erklärt. Somit steht unter dem staatlichen Schutz auch eine Vielzahl von Vogelarten, die hier gerne niesten.

Veranstaltungen in Braunschweig

Ungefähr seit dem 13. Jahrhundert läuft in Braunschweig regelmäßig „Schoduvel“, das mittelalterliche norddeutsche Karneval. Seit 1979 läuft in der Stadt auch „Rosenmontag“, den man zum Andenken an das damalige mittelalterliche auch „Schoduvel“ nennt. Außerdem wird in der Stadt jährlich das größte in der Region Festival der klassischen Musik veranstaltet.

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